Trailrunning meets Bikepacking

Trailrunner auf Abwegen – das Gravelbike

Seit mehreren Jahren dem Trailrunning verschrieben, aber doch ab und an das Rennrad wochenends aus dem Keller holend als Alternativsport, sind wir Ende letzten Jahres den Werbeversprechen der Radhersteller rund um die Gattung Gravelbikes erlegen. Konnten wir uns gut vorstellen, dass das Spaß macht und auch etwas Unabhängigkeit von pandemie beherrschten Reiserestriktionen bietet im Rahmen von Bikepacking-Unterfangen.

Einen 200er im vergangenen Jahr und ein 180er dieses Jahr waren unsere längsten Strecken auf den Rädern, welch Arne diesen Winter vermehrt in unseren Trainingsplan integriert hatte.

Bikepacking direkt vor der Haustür

Wirklich viel Praxiseinsatz hatten die Zweiräder über den schneereichen Winter nicht gesehen als wir einen FB-Post entdeckten „Bikepacking-Schwäbische Alb“ an Pfingsten mit den Eckdaten 500 km und 10.000 hm. An die Durchführung des IATF zu diesem Termin glaubten wir ohnehin nicht und völlig begeistert über solch ein „Event“ quasi vor der eigenen Haustür haben wir uns angemeldet (kein Wettkampf, aber limitiert auf 50 Starter). Erfahrung bis auf oben beschriebene Wochenend- oder Feierabendtouren hatten wir nicht, aber fleißig Taschen, Zelt & Co. beschafft und zumindest auf einer kleinen „Kuchenrunde“ mal die Taschen alibimäßig montiert. Der Track wurde vom Veranstalter zur Verfügung gestellt, Tagesziele haben wir uns selbst gesetzt und nach anfänglicher Selbstüberschätzung mal den Dienstag nach Pfingsten als vierten Tag einkalkuliert.

Radeln oder Laufen?

Mit Start bei Reutlingen waren wir zu Beginn der Strecke zwar noch in unserem Heimatrevier, mit dem schwer beladenen Boliden aber dennoch deutlich außerhalb unserer Komfortzone. Dazu hat die Strecke ein ständiges auf- und ab am Albtrauf vorgesehen, anders wären besagte 10.000 hm eben auch nicht erreichbar gewesen. Was wir nicht genau kalkulieren konnten war, wieviel Zeit man liegen lässt auf steilen Trails (hoch wie runter) mit den vollgepackten Drahteseln. Wir haben viele Stellen passiert, die wir unbedingt im Rahmen eines Trailruns wieder besuchen möchten, aber diese Passagen mit voll bepackten Rädern abzuwandern war mitunter semi spaßig. Über nahezu jeden Aussichtspunkt entlang der Albkante arbeiteten wir uns vom Echaztal über das Donautal, Laucherttal, Lautertal, Blaubeuren im Schmiechtal wieder zunehmends an die Albkante heran,dies in regelmäßigem auf und ab den Tälern entlang.

Verpflegung und Komfort beim Bikepacking

Unterschätzt hatten wir irgendwie auch, wie viel und oft man was essen kann während der Tour. Im Vergleich zum Laufen nämlich Unmengen und das in kürzeren Abständen. Viele Bäcker haben wir überfallen und leergekauft. Vielleicht hätte uns etwas Bikepacking Erfahrung gut getan, aber im Vergleich zum TAR bspw. mit mittellangen Tagesetappen waren wir sehr lange unterwegs und statt im Anschluss direkt über einen Ziel VP herzufallen und eine heiße Dusche zu genießen, galt es diesmal Zeltplatz suchen, aufbauen, Katzenwäsche und schnell noch mit dem Kocher die Tagesration Nudeln & Co. zuzubereiten, bevor es völlig platt und frierend in den Schlafsack ging.

Max 17 Grad und mittelstarker Wind waren in diesen vier Tagen die besten Bedingungen. Meist aber sehr kalt, stürmische (Gegen-) Windböen und etliche Schauer setzten uns doch zusätzlich etwas zu.

Bikepacking Fazit

Unser Fazit: nach vier Tagen waren wir tatsächlich wie geplant am Ausgangspunkt zurück, im Zustand wie nach einer Woche über die Alpen laufen. Muskulär etwas mitgenommen, Hunger ohne Ende und sehr müde. Vielleicht haben wir etwas überschwänglich oder naiv die Ausschreibung gelesen, denn es war durchaus fordernder als wir gedacht haben. Es lag nicht daran, dass es an Ausdauer gemangelt hätte, aber Radfahren ist (oh Wunder) tatsächlich doch etwas anderes als laufen und die Begleitumstände (Gepäck, Wetter, wenig Regeneration) waren sicherlich eher als widrig einzustufen. Würden wir es wieder machen? Unbedingt! Es war ein Abenteuer par excellence – was doch gerade in Zeiten wie diesen einen anderen Stellenwert bekommt.

Facts zum Bikepacking Trip

Facts: 499 km – 10.350 hm – 32 Berge – tiefste Stelle 394 mtr – höchste Stelle 1016 mtr – 4 x 1000er Berge – 2 Gewitter bei Nacht – 2 nasse und 2 trockene Tage – 1 kg Nudeln – 2 Pizzen – unendlich Riegel, und Bäckereiprodukte 🙂 und viel Wasser zum trinken, kochen und waschen.

Mehr über uns unter www.teamleki.com

Susanne und Jörg

 

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